Willkommen in der Hüpfburg-Hölle: Kindergeburtstag auf amerikanisch

Wir sind mitten drin im Kindergeburtstags-Marathon: Am letzten Wochenende haben wir erfolgreich zwei Geburtstage absolviert und auch dieses Wochenende stand wieder ganz im Zeichen von klebrigen Kuchen, tütenweise Geschenken und wild hüpfenden Kindern : Gestern Geburtstagsfest in der einen Hüpfburg-Hölle, heute ging es direkt weiter in die nächste Hüpfburg-Hölle.

Bis auf eine Ausnahme haben die Geburtstagsfeiern nämlich nicht im heimischen Garten stattgefunden, sondern aushäusig in irgendwelchen "Hüpf-, Spiel- und Spaß- Veranstaltungshallen". Oder anders formuliert: Es wurde in der "Hüpfburg-Hölle" gefeiert.

Anders geht es auch fast gar nicht. Denn wer möchte schon 25 Kinder außer Rand und Band bei sich zu Hause haben? Also ich bestimmt nicht. Die nehmen mir ja die ganze Bude auseinander. 


Die Geburtstagsfeste, die wir hier bisher erlebt haben, sind nämlich häufig viel (und ich meine wirklich viel, viel, viel) größer als ich es aus Deutschland gewohnt war: Während es bei uns im Freundeskreis meist üblich war so viele Kinder einzuladen, wie das Geburtstagskind Kerzen auf der Torte hat (also fünf Kinder, wenn das Geburtstagskind fünf Jahre alt wird), werden hier gleich ganze Kindergartengruppen, Schulklassen oder Sport-Teams eingeladen. Und das sind dann gut und gerne auch schon mal 25 Kinder und mehr.

Wenn sie denn alle kommen.


Denn ich habe leider auch schon erlebt, dass viele Kinder gar nicht erschienen sind - und das obwohl die Eltern zugesagt hatten. Das ist wirklich ärgerlich und sehr, sehr schade für das Geburtstagskind. Aber vielleicht ist das auch die Konsequenz aus diesen häufig recht anonymen "Massen-" Einladungen. 

Eine deutsche Freundin, die hier lebt, berichtete, dass eine Mutter aus ihrem Kindergarten einfach einen Einladungs-Aushang in den verschiedenen Gruppen gemacht hatte. Das finde ich, und ich möchte es diplomatisch formulieren, doch recht irritierend. Soviel zum Stichwort "anonym". 


Aber warum denn überhaupt 25 Kinder einladen? So viele Freunde kann ein Fünfjähriger doch gar nicht haben!

Eine amerikanische Freundin erzählte mir, dass man - wenn man die Geburtstags-Einladungen in der Klasse zum Beispiel verteilen möchte, entweder alle Kinder einladen "muss" oder keines (bzw. die Einladung dann nach Hause schicken sollte). Damit sich kein Kind benachteiligt oder ausgegrenzt fühlt.

Diesen Gedanken finde ich dann doch ganz gut. Ich erinnere mich nämlich noch schmerzhaft an meine Schulzeit, als in der fünften Klasse die Einladungen zu DER Geburtstagsparty des Jahres verteilt wurden, und ich leer ausging.

So gesehen ist es vielleicht ganz gut gleich die ganze Klasse einzuladen. Ist aber natürlich logistisch ein ganz anderer Aufwand. Und mit Topfschlagen, Brezel-Schnappen oder Reise nach Jerusalem kommt man wohl auch nicht weit. Ich hätte gar keine 24 Stühle. Nur als Beispiel. Und an das Chaos und die vielen üblen Verletzungen beim Topfschlagen mag ich gar nicht denken.


Dann doch lieber die "Hüpfburg-Hölle". So gesehen ist das ja auch ziemlich praktisch. Und nach meiner Erfahrung für alle Beteiligten unheimlich entspannt. 

Gestern zum Beispiel waren wir sozusagen in der "Hüpfburg-Hölle deluxe": Jede Geburtstagsfeier fand in einem separaten Raum mit vielen verschiedenen Hüpfburgen zum Klettern, Hüpfen, Springen und Rutschen statt. Außerdem gab es noch einen Air-Hockey-Tisch. So etwas habe ich zuletzt Ende der 90er-Jahre gesehen, als ich noch jedes Wochenende in der Großraum-Disco bei uns in der Kleinstadt verbracht habe. Und das ist bestimmt schon 20 Jahre her. Oder so.

 

Die Kinder hatten allesamt irre viel Spaß und die begleitenden Mütter und Väter wirkten auch völlig entspannt. Und vor allem: Die Gastgeber waren nicht im Dauerstress oder litten unter Schnappatmung. Was ja bei Kindergeburtstagen, die in den heimischen vier Wänden stattfinden, häufiger zu beobachten ist.

Bei mir zumindest. 


Da Linus fünfter Geburtstag bevor steht, habe ich mich mal ein wenig schlau gemacht: Bei diesen Party-Veranstaltern kann man direkt das rundum-sorglos-Paket buchen - zum Beispiel: 1 Stunde und 20 Minuten Hüpf-Spaß, danach 40 Minuten im Partyraum bei Pizza, Getränken und Kuchen.

Wahlweise kann man seine Party-Deko und die Verpflegung selbst mitbringen oder gleich alles vom Veranstalter organisieren lassen.

Ist nur eine Frage des Preises. Und der ist wirklich nicht unerheblich. Für so einen Geburtstag bezahlt man gut und gerne mehr als 300 Dollar. Plus Geschenke für die eingeladenen Kinder, plus Geburtstagskuchen, plus, plus, plus.


Der Geburtstagskuchen wird übrigens meist mitgebracht. Das heißt aber nicht, dass er selbst gebacken ist. Auf allenGeburtstagen, die wir hier bisher erlebt haben, gab es keinen einzigen selbst gebackenen Kuchen. Immer gekauft. Immer mit einer sehr klebrigen, sehr süßen und sehr bunten Zuckermasse oben drauf. Und immer im Prinzessinnen- oder Superhelden-Design.

Wirklich sehr schön anzusehen diese Torten. Aber definitiv nicht essbar. Also für mich. Das überstehen meine Geschmacksnerven nicht.

Aber die Kinder lieben diese Kuchen. 

Auch gut. Dann brauche ich mich in diesem Jahr nicht wieder stundenlang in die Küche zu stellen, um einen Kuchen zu backen, der eigentlich einem Piratenschiff nachempfunden sein sollte, aber letztendlich doch nur wie ein lausiger Kahn ausgesehen hat.


Für die mitgebrachten Geschenke wird übrigens ein zweigeschossiger Wagen auf Rollen bereit gestellt, der in den meisten Fällen auch prall gefüllt ist. Denn nicht nur die Feste als solches, sondern auch die Geschenke fallen meiner Erfahrung nach recht groß aus.

Vor unserer ersten Einladung hatte ich eine Freundin gefragt, was man hier denn so ausgibt (man will ja nicht völlig aus dem Rahmen fallen). Da habe ich dann doch große Augen gemacht: 30 Dollar im Schnitt gibt sie für Geburtstagsgeschenke aus (für wirklich enge Freunde der Kinder auch mal mehr). Das ist ganz schön knackig. 

Ob das wirklich sein muss? 


Die zahlreichen Hüpfburgen-Parties, die wir in den vergangenen Wochen hier erlebt haben, sind irgendwie toll und irgendwie auch nicht. Da kann ich mich noch nicht festlegen. Auf der einen Seite ist es für die Kinder großartig - sie können toben, wild sein, hüpfen, rennen und einfach außer Rand und Band sein, ohne dass die Eltern sich ständig fragen müssen, ob im Zweifel die Haftpflichtversicherung einspringt. Die Eltern sind also entspannt, die Gastgeber sind es augenscheinlich auch. 

Auf der anderen Seite finde ich diese Art der Geburtstagsfeste aber auch ein wenig lieblos. Es läuft immer nach "Schema F" ab. Hüpfburg-Wahnsinn, Pizza oder Knabberzeugs, Geburtstagstorte, singen, Gastgeschenke verteilen, fertig. Kennst du einen (Geburtstag), kennst du alle. Fast. 

Aber vielleicht ist es auch genau das, was die Kinder wollen. Denn: Ich habe auf auf den vergangenen Festen nur strahlende Kinderaugen gesehen. Es gab keinen Streit, keine Raufereien, keine gelangweilten Gesichter. Und darum geht es ja schließlich.


Damit aber kein verzerrtes Bild entsteht: Dass wir bisher fast nur Hüpfburg-Geburtstage erlebt haben, heißt nicht, dass es nicht auch anders geht: Eine Mutter erzählte mir heute, dass sie mal mit ihrem Kind auf einem Geburtstag war, wo es als Attraktion viele verschiedene Schlangen gab. In den eigenen vier Wänden. Zum Anfassen und um den Hals legen und so. 

Schlangen bei mir zu Hause? 

Niemals.

Davon haben wir hier in unserer Vorstadt ohnehin schon genug. Das reicht. 


Dann doch lieber mit der ganzen Kindergartengruppe in die "Hüpfburg-Hölle". 

Oder sollte ich es besser "Hüpfburg-Himmel" nennen?

Das ist wohl Ansichtssache.

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Kommentare: 3
  • #1

    Simone (Montag, 22 Juni 2015 07:32)

    Wieder mal herrlich zu lessen.... da warden Erinnerungen wach.

    Klasse!

  • #2

    Simone (Montag, 22 Juni 2015 07:34)

    ...und ich sollte keine Kommentare abgeben, ohne mindestens 3 Tassen Kaffee getrunken zu haben, da geht die Rechtschreibung den Bach runter, beim 'lesen' und schreiben!

  • #3

    MAren (Montag, 22 Juni 2015 10:49)

    hahaha, sehr lustig ! Aber auch hier gibts ja das Event aufrüsten. von Indoorpark , Spassbad Besuchen bis Auflüge in den Heide Park, der Wahnsinn! Und mit dem Einladungsverteilen einen kleinen Tipp : ich mach das schön nachmittags mit den kids und verteile sie persönlich von Haustür zu Haustür. Zwei Fliegen mit einer Klappe: kids beschäftigt nachmittags und man entgeht der Öffentlichkjeit in der Schule !