Die Party geht weiter - Teil 2

Die Party ist wieder in vollem Gange. Das ganze Paket: kreischende Sägen, dröhnende Hammerschläge, Staub, der sich anschickt wieder in jede noch so kleine Ritze zu verschwinden und vor allem: sehr laute mexikanische Volksmusik.

Zu meinem Leidwesen.


Ich erwische mich allerdings dabei, wie ich, während ich hier sitze und schreibe, meinen rechten Fuß im Takt der Musik rhythmisch bewege. Jetzt ist es also soweit, sie haben mich: Die wochenlange manipulative Beschallung zeigt ihre Wirkung. Soooo furchtbar schlimm ist diese Gute-Laune-Musik irgendwie doch nicht. Das muss ich wirklich zugeben.

Ich mache gleich einfach eine Flasche Tequlia auf, sage den Nachbarn Bescheid und dann kann sie so richtig los gehen, die Baustellen-Karaoke-Party. Aus der Not eine Tugend machen. Oder so ähnlich.


Für alle, die den ersten Teil der Party-Posse verpasst haben: Nach wochenlangen und ohrenbetäubenden Umbauarbeiten in unserem gerade neu erworbenen Haus, haben wir einen recht großen Wasserschaden entdeckt, der nun endlich behoben wird. Selbstverständlich wieder ohrenbetäubend. 


Aber ich ärgere mich nicht mehr über unsere Dauerbaustelle.

Geärgert habe ich mich in den letzten Wochen schon genug.

Zum Beispiel über den Mann, der letztens unsere Alarmanlage installiert hat. Ich gebe zu: Von diesen ganzen technischen Rafinessen habe ich schlicht keine Ahnung. Am Schluss soll es einfach nur funktionieren. Es verhält sich hier wie mit einem Computer. Der soll machen was ich will und nicht mit irgendwelchen Fehlermeldungen oder Neu-Installations-Wünschen oder anderen lästigen Dingen um die Ecke kommen.

Und so verhält es sich eben auch mit dem Alarmsystem: Soll Krach schlagen, wenn jemand rein will, der nicht rein soll und fertig. Was dafür nötig ist, und was dafür wo angebracht werden muss und warum, das wissen andere besser als ich. 

So halte ich es normalerweise mit technischen Dingen.


Da ich aber nunmal diejenige bin, die Zuhause ist und sich um diesen ganzen Kram kümmert, habe ich mich in diesem speziellen Fall tatsächlich sehr intensiv in die Materie eingearbeitet. Wobei "intensiv in die Materie eingearbeitet" bedeutet, dass mein Mann mir sehr genau das "wo, wie und warum" erklärt hat.

Durch die präzisen Instruktionen meines Mannes war ich also bestens darauf vorbereitet, um unser Haus gemeinsam mit dem Alaramlagen-Mann in eine Art Fort Knox zu verwandeln. 

Nur leider hat mir der Alarmanlagen-Mann meine neu erworbenen technischen Kenntnisse nicht so recht abnehmen wollen. Und offensichtlich hatte er ein großes Problem damit, dass eine Frau nun die Entscheidungen treffen sollte. 


Es fing schon damit an, dass er ziemlich entsetzt war, dass er mit mir und nicht mit meinem Mann zusammen arbeiten musste. Eigentlich ginge das auch gar nicht, so der Alarmanlagen-Mann, weil ich nicht den ganzen Papierkram unterschreiben dürfe, weil ja schliesslich mein Mann derjenige war, der den Auftrag erteilt hatte.


Nach vielen Telefonaten mit seinem Vorgesetzten dann schliesslich die für mich sehr verwirrende Lösung: Ich dürfe unterschreiben, müsse aber mit dem Namen meines Mannes unterschreiben.

 

Ich (grinsend auf meinen Ehering zeigend): "Wie denn sonst? Wir haben ja schließlich denselben Nachnamen."

Er: "Nein, mit vollem Namen."

Ich: "Hä? Aber ich bin doch ich und nicht mein Mann."

Er: "Aber der Name muss mit dem Namen des Auftraggebers übereinstimmen."

Ich (wild mit meinem Ehering vor seinem Gesicht herumfuchtelnd): "Passt doch. Verheiratet und so..." 

Inzwischen hatte ich sogar die übersetzte Heiratsurkunde angeschleppt. 

Er: "Nee... Sie müssen mit dem Vor- und Nachnamen Ihres Mannes unterschreiben. Weil er der Auftraggeber ist."

Ich: "Aber das geht doch nicht!"

Er telefoniert wieder mit seinem Vorgesetzten.

Er: "Doch, das geht."


Okay. Ich gebe mich geschlagen. Dann geht das eben hier so. Ich will mich ja nicht unnötig anstellen. Aber soviel bleibt festzuhalten: Ich durfte nicht einmal mit meinem eigenen Namen unterschreiben. 


Und dann er: "Und wer kann mir jetzt sagen, wo ich was installieren soll?" 

Ich: "Entschuldigung?"

Er: "Ja, ich weiß doch nicht, wo Ihr Mann alles angebracht haben möchte. Also, wer kann mir das sagen?"

Ich: "Ich."

Und dann passierte es: Der Alarmanlagen-Mann machte nur so ein ganz seltsames Geräusch. So: Wenn man mit aufeinander gepressten Zähnen scharf Luft einzieht und dabei die Nase kräuselt.

Das mache ich immer, wenn ich etwas gar nicht gut finde. Und wenn ich etwas so richtig gar nicht gut finde, verdrehe ich dazu noch die Augen. So wie der Alarmanlagen-Mann.


Echt jetzt?


Direkt degradiert. Der denkt wohl, dass ich keine Ahnung habe. Was in technischen Dingen normalerweise ja auch stimmt. Aber in diesem Fall habe ich sehr wohl Ahnung. Und zwar eine ganze Menge. Jawohl.

Ist ja nun auch nicht ganz so schwer zu sagen, wo welche Kamera angebracht werden soll und welche Tür ein neues Schloss braucht und so weiter.


Während ich mich hier schon wieder über das, formulieren wir es mal diplomatisch:  sehr degradierende Verhalten des Alaranlagen-Mannes aufrege, reist mich ein ohrenbetäubendes Geräusch im Haus aus meinen verärgerten Gedanken: Nein, der 90ger-Jahre-Ghettoblaster wurde nicht bis zum Anschlag aufgedreht. Ein Rauchmelder hatte angeschlagen. Weil ein anderes ohrenbetäubendes Gerät soviel Qualm produziert hatte, dass der Rauchmelder dachte, hier brennt es. Hat auch nur gefühlte dreißig Minuten gedauert, bis der Rauchmelder wieder Ruhe gegeben hat. Immerhin weiss ich jetzt, dass wir im Falle eines Falles davon garantiert wach werden. Ohne jeden Zweifel. Ein weiteres Mal müssen wir das aber nicht testen. Bitte.


Aber zurück zum sehr unglücklichen Alarmanlagen-Mann. Unglücklich, weil er mit mir vorlieb nehmen muss. Und nicht mit einem ihm ebenbürtigen Mann. Soviel hatte ich schon verstanden.  Mein feministischer Kampfgeist war geweckt. So. Dem werde ich es zeigen.

Aber offensichtlich war auch der Macho in ihm erwacht. Denn schon meine erste Entscheidung lies ihn wieder scharf die Luft einziehen. Plus Augen verdrehen. 


Er: "Sind sie sich da sicher?"

Ich: "Natürlich. Ich möchte es soundso haben. Ganz sicher."

Er (wieder scharf die Luft einziehend): "Sollten sie sich da nicht besser bei ihrem Mann rückversichern?"

Ich: "Entschuldigung?"

Er: "Rufen Sie doch bitte ihren Mann an und fragen ihn, ob wir das wirklich soundso machen sollen."

Ich: "Der wird Ihnen das genau so bestätigen."

Er: "Das wäre gut."


Völlig entnervt ob dieses machohhaften und vorsintflutlichen Verhaltens habe ich schließlich meinen Mann angerufen, der dann dem Alarmanlagen-Mann bestätigen konnte, dass seine Frau sehr wohl weiss, was wie wo angebracht werden muss. Natürlich.

Augenscheinlich sehr zufrieden konnte der Macho-Alarmanlagen-Mann dann endlich an die Arbeit gehen. Er hatte ja jetzt den Segen meines Mannes.

Wer aber glaubt, dass meine Entscheidungs-Gewalt nun nicht mehr in Frage gestellt wurde, der irrt. Und zwar gewaltig.


Schon bei meiner nächsten Ansage bezüglich des "was-wie-wo" musste der Macho-Alarmanlagen-Mann wieder scharf die Luft einziehen und kräftig mit den Augen rollen.


Er: "Sind sie sich da wirklich sicher?"

Ich: "Sicher."

Er: "Das würde ich gerne von ihrem Mann hören."

Und so weiter.


Echt jetzt? 


Tatsächlich wollte der Macho-Alarmanlagen-Mann im Laufe des sehr langen Arbeitstages keine einzige Entscheidung von mir akzeptieren. Und das obwohl mein Mann ihm immer nur bestätigen konnte, dass ich genau richtig entschieden hatte. 


Der Macho-Alarmanlagen-Mann hatte bei mir echt einen Nerv getroffen. Seit wir vor knapp sechs Monaten hier nach Texas gezogen sind, arbeite ich nicht. Während ich in Deutschland einen Job  hatte, führe ich hier im Moment eine Art "Desperate-Housewife-Vorstadt-Leben". Nur nicht so verzweifelt. Eher sehr schön. Dennoch hardere ich manchmal damit, weil es eben eine grosse Umstellung ist: raus aus dem Berufsleben und rein in den Hausfrau- und Mutter-Alltag.

Und dann kommt da so ein Macho daher und degradiert mich mal eben. Und dabei geht es nur um eine blöde Alarmanlage bzw. um die Entscheidung darüber wo was angebracht werden soll. In meinen früheren Jobs habe ich ganz andere Entscheidungen treffen müssen. Und die waren viel wichtiger als so eine blöde Alarmanlage. Jawohl. 

Er hatte einen Nerv getroffen, wie gesagt. 


Der ohrenbetäubende Lärm, der gerade aus unserem Haus dringt, holt mich zurück ins Hier und Jetzt und weg von dem Macho-Alarmanlagen-Mann.

Hoffentlich ist das nicht schon wieder der Rauchmelder. Ich weiß doch jetzt, dass er funktioniert. 


Nur noch soviel: 

In den letzten Wochen hatte ich zum Glück nicht nur Baustellen- und Macho-Alarmanlagen-Männer-Stress, sondern auch jede Menge ganz wunderbaren "Desperate-Housewife-Vorstadt-Freizeit-Stress".

Die Party geht also weiter...

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Kommentare: 2
  • #1

    Ruth Estes (Donnerstag, 21 Mai 2015 21:56)

    Da platzt einem doch der Kragen

  • #2

    Christina (Dienstag, 26 Mai 2015 12:34)

    Ich komm da gleich mal rüber und hau dem Macho-Alarmanlagen-Mann auf die Nase!

    So was!

    (Wie immer ein wunderbarer Blog!)