In der Vorstadt trägt man keine High Heels

Als ich neulich morgens mal wieder nach meinen mittlerweile schon ziemlich ausgetretenen Flip Flops gegriffen habe, ist es mir aufgefallen: Ich habe seit Monaten keine High Heels mehr getragen. Genauer: Seitdem wir hier in Houston leben. Also seit Ende November. Das sind mehr als vier Monate. Ich habe nicht ein einziges Mal Schuhe mit Absatz getragen. Nicht einmal ein paar laecherliche Zentimeter.
Schlimmer noch: Ich habe sogar schlicht vergessen, dass ich solche Schuhe überhaupt besitze.

Wie konnte das denn passieren? 
Oh. Mein. Gott.

Früher, also in Deutschland, habe ich die meiste Zeit hohe Schuhe getragen. Nicht auf dem Spielplatz. Also nicht so oft.  Aber davor und danach. Mindestens. 
Ich liebe High Heels. Eigentlich. Und deshalb habe ich auch eine ziemlich ansehnliche Sammlung von Schuhen mit ziemlich hohen Absätzen. Ich spreche von schwindelerregend hohen Absätzen. Sehen extrem gut aus. Und sind extrem unbequem. Die Höhe der Absätze verhält sich ja proportional zur Tragbarkeit. Je höher, desto schlechter. Finde ich. Stehschuhe sozusagen. Trotzdem toll.
In meiner Sammlung gibt es aber auch tragbare Schuhe mit mittelhohen Absätzen. Machen immer noch lange Beine, sind aber weniger gefährlich. Für den Alltag. Die gehen auch auf dem Spielplatz, wenn man direkt nach der Arbeit das Kind aus dem Kindergarten holt und weiter zur nächsten Sandkiste fährt.
Und dann gibt es ja noch diese Keilabsätze: Hoch aber halbwegs bequem. Ein relativ guter Kompromiss wenn die Füße eigentlich nach Gesundheitslatschen schreien. 

Ich habe also Schuhe für fast jede Gelegenheit.

Und was ist? Nix.

Meine heiß geliebten High Heels und all die anderen Schuhe mit auch nur ein bisschen Absatz stehen im Schuhregal und  verstauben. Schlimmer noch: Sie stehen ganz hinten im Regal.

Verdrängt von Sneaker, Flip Flop und Co.


Bequemes Schuhwerk statt High Fashion. 

Gemütlichkeit statt Glamour.
Vorstadt statt Grossstadt.

Ja genau, meine Vorstadt ist schuld.

Und was kommt als Nächstes? Jogginghose statt enger Jeans?
Ach ja, trage ich ja auch schon ganz gern. Also die Jogginghose. Morgens, wenn ich meinen kleinen Jungen in den Kindergarten bringe. Sind ziemlich praktisch, diese Sportklamotten. Auch wenn ich danach gar nicht ins Sportstudio gehe. Es ist sozusagen die stylischere Variante des Schlafanzugs. Wenn es morgens schnell gehen muss. Oder einfach nur so (Stichwort: "Sport-Mütter" - ich habe bereits ausführlich darüber geschrieben).

Und noch einmal: Wie konnte das denn passieren?
Das. Darf. Doch. Nicht Wahr. Sein. 


Es ist jetzt nicht so, dass ich nur noch im Schlabberlook rumlaufe. Im Gegenteil. Die Temperaturen hier erlauben ja mittlerweile einen sommerlich knappen Kleidungsstil. Aber hohe Schuhe? Zu unbequem, zu unpraktisch, zu unpassend.


In der Vorstadt trägt man keine High Heels. 


Schuld ist also meine wunderbare Vorstadt. Ich habe mal darauf geachtet: Hier trägt kaum jemand High Heels. Nicht im Kindergarten, nicht auf dem Spielplatz, nicht im Sportstudio, nicht im Supermarkt und schon gar nicht auf den Klappstühlen sitzend am Rand des Baseball-Felds. Und auch nicht bei heimischen Dinner-Verabredungen oder sonstigen Treffen mit Freunden.


Meine Erhebung bezüglich des High Heels- Tragens mag nicht valide sein, das gebe ich zu. Aber genau das ist der Punkt: Mein Bewegungsradius gibt auch nicht viel mehr her. Ich arbeite nicht, also muss ich meine Flip Flops nicht ausziehen. Einen Babysitter für meinen Jungen gab es bisher auch nicht. Und dementsprechend auch keine Gelegenheit, mich abends so richtig aufzuhübschen, um mit meinem Mann so richtig schick auszugehen.

Das alles ist aber nicht schlimm. Das ist einfach ein weiterer Lebensabschnitt. Mein Lebensmittelpunkt ist eben meine Vorstadt mit all ihren bequemen Vorzügen. Mit all den Flip Flops, den Sneakern und den Sportklamotten.

Herrlich. Zumindest für den Moment.

Irgendwann werde ich meine High Heels bestimmt wieder entstauben. Aber bis dahin werden mich meine Füße lieben. 


Tatsächlich kann ich an den Schuhen, die ich trage, festmachen, wie sehr sich mein Leben in den letzten Monaten gewandelt hat: Ich geniesse hier in meiner Vorstadt ein ziemlich unbeschwertes Leben zwischen Spielplatz, Sportplatz, Sportstudio und Co. Und demnächst auch immer öfter am Pool.

Und da reichen Flip Flops vollkommen aus. 

Wie im Urlaub. 


Wie konnte das denn passieren?

Das. Ist. So. Toll. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Melanie (Donnerstag, 09 April 2015 21:43)

    Hi Eva, traure ruhig den hohen Schuhen nach, aber vergiss nicht das du jetzt High Fashion cowboystiefel tragen kannst - ich bin zwar vielleicht die einzige, aber darum beneide ich dich !!!!;-)

  • #2

    Doris (Donnerstag, 16 April 2015 16:10)

    Ich weiss, für eine Frau ist es fast schon tragisch, wenn man aus die geliebten Heigh heels verzichten muss - geschweige denn, wenn man vergisst, dass man überhaupt welche besitzt... Jedoch würde ich ,wenn ich mir dein Leben so ansehe, liebend gerne mit dir tauschen und würde mich freiwillig jeden Tag in sexy Cowboystiefel schmeissen! :-)

    Liebe Grüsse,

    Doris
    Mrs Globalicious