Rindviecher, Cowboys, wilde Pferde und John Legend - unser langes Rodeo-Wochenende

Nun sitze ich also hier und lasse unser Rodeo-Wochenende Revue passieren - den Geruch von Heu, Stroh und Mist habe ich immer noch in der Nase und die amerikanische Nationalhymne - imposant inszeniert mit Feuerwerk und Lasershow - hallt noch nach. 

Ich bin schon ein wenig erschlagen von all den Eindrücken. Und ich bin ziemlich beeindruckt. Beeindruckt von den Ausmaßen dieser Veranstaltung: Das Stadium, in dem das eigentliche Rodeo statt findet, fasst mehr als 70.000 Menschen. Wir haben hunderte Bullen, Rinder und Stiere aus nächster Nähe gesehen und bestimmt ebenso viele anmutige Pferde in Aktion erlebt. 

Es ist jetzt nicht so, dass ich ausflippe, weil ich endlich mal ein Rindvieh "in echt" gesehen habe. Nee, ich komme vom Dorf, bin neben einem Kuhstall aufgewachsen. Mit Kuhfladen und Stallgeruch kenne ich mich aus. Auf den ersten Blick also bekanntes Terrain. 

Aber eben nur auf den ersten Blick.

 

Das hier, das ist etwas ganz anderes und mit nichts vergleichbar, was ich in Deutschland in Sachen "Rindviecher-zur-Schau-stellen" erlebt habe. Das Houston Rodeo mit Livestock Show ist einfach gigantisch groß. Sogar die Rindviecher sind, zumindest gefühlt, deutlich größer, als jene Schwarzbunten aus dem Kuhstall meiner Kindheit. Alles eben"Texas-sized": Riesige Hallen, in denen stolze Züchter ihre noch stolzeren Tiere präsentieren - und das Publikum ist mittendrin.

Im wahrsten Sinne des Wortes: Auf meinem Weg durch die improvisierten "Stallgassen" bin ich mit meinen 700-Dollar-Cowboyboots in einen ansehnlichen Kuhfladen (leider auch "Texas-sized") getreten. Natürlich. Jetzt sind sie wenigstens richtig eingeweiht, meine feinen Cowboystiefel. Soll ja auch Glück bringen und so. 

Meine kleiner Cowboy-Junge fand das übrigens gar nicht lustig und hat wesentlich mehr gezetert als ich (und dabei waren es doch meine "so-teuer-wie-Manolo Blahniks-Cowboystiefel"). Er weigerte sich sogar augenblicklich nach meinem Malheur auch nur noch einen einzigen weiteren Schritt zu gehen. Aus Angst um seine schönen Stiefel. Oh man. Mein kleines Stadtkind. 

Als dann in unmittelbarer Nähe auch noch eine Kuh, mit dem Hinterteil uns zugewandt, pinkeln musste, war es ganz aus. Wir haben die Halle vorzeitig verlassen müssen. 

Wie gesagt, wir waren mittendrin. 

 

Und dann haben wir etwas gesehen, was ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe: Mutton Bustin. Das ist Rodeo für Kinder. Statt auf wilden Pferden oder Bullen reiten diese kleinen Cowboys auf Schafen. Wie ihre großen Vorbilder müssen sie sich so lange es geht auf dem Rücken der Schafe halten, während diese ziemlich schnell durch die Arena jagen. Die Kinder sind allesamt zwischen fünf und sechs Jahre alt und dürfen nicht mehr als 25 Kilo wiegen. 

Welch ein Spektakel. Mein kleines Stadtkind war erst skeptisch und dann schnell ziemlich begeistert. Aber ausprobieren möchte er es doch lieber nicht. Als besorgte Mutter sage ich: Zum Glück. 

 

Das Wetter war übrigens mies. Wie auch sonst. Es hat geschüttet wie aus Eimern. Deshalb musste der Bummel über den Rummel leider ausfallen. Den gibts auf dem Gelände natürlich auch. Ist irgendwie ein großes Volksfest, dieses Rodeo.

 

Volksfest-Stimmung herrschte dann auch im großen Rodeo-Stadium. Und wir wieder mittendrin. So fast zumindest. Wir hatten Plätze ganz oben. Unterm Dach sozusagen. Das Rodeo fand etwa 60 Meter unter uns statt. Die Plätze hätten trotzdem nicht besser sein können. Durch die Konstruktion des Stadiums hatten wir eine wunderbare Sicht auf die Arena und mit Hilfe der riesigen Bildschirme ist uns nichts entgangen. Und für den geschärften Blick auf die Cowboys in ihren knackigen Jeans (Jawohl! Sehr knackig mitunter, diese mutigen Männer ;-) hatte ich mein Fernglas dabei. 


Und dann ging es mit einem Paukenschlag los: Der Inszenierung der Nationalhymne. Ein leuchtender Reiter mit leuchtender Amerika-Flagge drehte in der Arena seine Runden, begleitet von einer imposanten Licht- und Lasershow und einem spektakulären Feuerwerk zum Schluss. Vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, zumindest für mich als Deutsche. Sehr amerikanisch eben. Aber mich hat es dennoch beeindruckt. Die Amerikaner verstehen was von Inszenierungen. 


Danach dann die Wettkämpfe: Barrel Race (Tonnenrennen), Break Away Calf Roping (Kälber einfangen), Wild Horse Race (Wildpferde einfangen), Bareback Riding (Reiten von Wildpferden ohne Sattel), Saddle Bronc Riding (Reiten von Wildpferden mit Sattel) und Bull Riding (Bullen reiten). 

So etwas hatte ich bislang nur im Fernsehen gesehen, wenn überhaupt. Es ist schon erstaunlich, was die Männer dort leisten. Und es ist definitiv sehr männlich, wie sie  mit all ihrer Kraft die Tiere bezwingen. Das muss ich zugegeben. 

Aber das ist eben nur die eine Seite. Es ist wohl auch ein ziemlich brutaler "Sport". Ein gewisser kritischer Blick auf diese Veranstaltung muss trotz all meiner Begeisterung ob der fantastischen Atmosphäre, die dort in der Arena herrschte, erlaubt sein. Und so komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob dieses Spektakel für die Tiere nicht eher ein großes Trauerspiel ist. Da ich mich bislang aber zu wenig mit diesem Thema auseinander gesetzt habe, fehlt mir eine solide Basis, um mir ein abschließendes Bild machen zu können.

Nach dem Rodeo gibt es übrigens jeden Abend ein Konzert. Aber nicht nur Country, Music, wie man eigentlich vermuten könnte, sondern ein recht bunt gemischtes Lineup. Am Freitagabend stand Oscar-Gewinner John Legend auf der Bühne, Sonntag waren es Fall Out Boy. 


Mein Fazit: Ich komme wieder. Nicht nur wegen der knackigen Cowboys. Den besten Cowboy habe ich ja ohnehin immer an meiner Seite. 

Es ist die ganze Atmosphäre, die mich begeistert. Die zahllosen Kühe und Pferde, dieser Geruch von Stroh und Mist und die ganze Folklore drumherum haben mich in ihren Bann gezogen. 

Sehr spannend, was wir hier, in unserer neuen Heimat, alles erleben dürfen. 

Ich freue mich auf mehr!

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Kommentare: 2
  • #1

    Alexandra (Montag, 09 März 2015 18:30)

    Ich freue mich jedes Mal über einen neuen Eintrag von dir, da ich auch erst seit 8 Wochen in Texas lebe und ich sehr ähnliche Erfahrungen mache. Wir waren am Sonntag dort und obwohl ich auf dem Land aufgewachsen bin, bezweifle ich, dass ich noch einmal an den Championships als Zuschauer teilnehme. Aber vom Rest war ich genauso beeindruckt (außer vom Regen). Die Haltung bzw. Behandlung von den Tieren vor, nach und während der Show werde ich mit ziemlicher Sicherheit nicht mit meinen Gewissen/Überzeugungen vereinbaren können. Mein Mann geht aber mit Sicherheit nochmal hin ;)

  • #2

    Eva-Maria (Dienstag, 10 März 2015 15:33)

    Liebe Alexandra,

    wo in Texas lebst Du denn?
    Danke für Deine Nachricht.