Mutige Männer, wilde Pferde und ein toller Tänzer: Rodeo-Parade in Houston

Meine erst kürzlich erstandene Cowboy-Touristen-Komplettausstattung inklusive rosa Cowgirl-Hemd wird jetzt endlich so richtig zum Einsatz kommen - denn: Es ist Rodeo und Livestock Show-Zeit in Houston. Wie man so hört, ist es DAS Ereignis des Jahres hier in der Stadt. Vor zwei Jahren waren während der drei Wochen insgesamt mehr als 2,5 Millionen Menschen mit dabei. Damit man mal eine Vorstellung bekommt. 


Weil es mein erstes Mal Rodeo ist, und ich nur eine ganz grobe Vorstellung von diesem Spektakel habe, zeichnet sich in meiner - zugegebenermaßen blühenden - Phantasie in etwa folgendes Bild: Starke, durchtrainierte und mutige Männer in - natürlich! - knackigen Jeans, versuchen wahlweise wilde Hengste oder mächtige Bullen zu bezwingen. Mit all ihrer Kraft, ihrem Können und ihrer Männlichkeit. So wie die echten Cowboys in den Weiten der Prärie. Nur heute eben in einem großen Stadion mit tausenden jubelnden und kreischenden Zuschauern. In einer aufgeheizten und ausgelassenen Atmosphäre. 

Soweit meine ganz persönliche Vorstellung. Und das wird mir definitiv gefallen. Nicht nur wegen der vor Testosteron strotzenden Männer in ihren knackigen Jeans. Ehrlich. Yee-Haw!


Ich gebe zu: Meine Phantasie ist vermutlich von Klischees durchtränkt, aber das muss ja nicht verkehrt sein. Ich liebe Klischees, wohlwissend, dass hinter dieser Veranstaltung eine große Tradition steht, die die Kultur (zumindest einen Aspekt) dieses Staates eindrucksvoll verkörpert. Und genau deshalb (und nicht wegen der mutigen Männer in ihren knackigen Jeans) werde ich versuchen, möglichst viel vom Houston Rodeo zu erleben. Um das Land, in dem ich jetzt lebe, und damit die Kultur und die Traditionen, besser kennen und verstehen zu lernen. 


Den offiziellen Auftakt zur Rodeo-Saison gab es am Wochenende mit der großen Parade in Downtown Houston. Und das war wirklich eindrucksvoll: Hunderte Pferde, Cowboys, Marching-Bands, Cheerleader, Parade-Wagen und historische Fahrzeuge zogen durch die engen Straßenschluchten. Gesäumt von tausenden Schaulustigen und vor der Kulisse beeindruckender Wolkenkratzer. Tradition trifft auf Moderne, sozusagen. Und soweit das Auge reichte: amerikanische und texanische Flaggen. Sehr eindrucksvoll, wie gesagt. Und sehr typisch amerikanisch, wie ich finde. Im besten Sinne. Genauso habe ich mir eine Parade in Amerika vorgestellt. Und ich wurde nicht enttäuscht. 


Enttäuscht war ich nur vom Wetter: Es war so schrecklich kalt und windig, dass ich mein ganzes Cowboy-Outfit gar nicht richtig zeigen konnte. Musste ich alles unter dicker Daune verstecken. Aber zum Glück hatte ich meinen Amerika-Schal mitgenommen. Für jeden Anlass das richtige Outfit und so.

Es war sogar so kalt, dass wir nicht einmal bis zum Ende der Parade durchgehalten haben. Nach einer Stunde Parade plus der einen Stunde, die wir vorher da waren, um uns einen guten Platz zu sichern, haben wir es einfach nicht mehr ausgehalten. 


Ganz zum Schluss habe ich dann noch mein persönliches Highlight der Parade entdeckt: Einen Pom Poms schwingenden und leidenschaftlich tanzenden männlichen Cheerleader -  wohlgemerkt als einziger Junge inmitten von hunderten weiblichen Cheerleadern. Das hatte ich nun nicht erwartet. Und noch in keinem amerikanischen Highschool-Film gesehen. 

Und gleichzeitig habe ich mich sehr darüber gefreut. Nicht nur weil dieser Tänzer richtig was konnte und mit seiner Begeisterung und Energie die meisten anderen Cheerleader glatt in den Schatten gestellt hat.

Sondern vor allem, weil dieser Auftritt für mich persönlich ein klein wenig mit einem gängigen Vorurteil aufgeräumt hat - denn: Texas gilt ja nach wie vor- vor allem in Europa - als Hochburg des amerikanischen Konservatismus. Aber ein männlicher Cheerleader mit Pom Poms ist  alles andere als konservativ, wie ich finde. Allerdings scheint zumindest Houston ohnehin nicht so furchtbar konservativ zu sein: Immerhin wird die Stadt seit 2009 von einer lesbischen Frau regiert. 


Am Wochenende schaue ich mir übrigens die mutigen Männer auf ihren wilden Pferden live in der Arena an. Dann werde ich ja sehen, ob meine Phantasie von Testosteron und knackigen Jeans wenigstens annähernd der Realität entspricht. 

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