50 Shades of gähnende Leere

Natürlich habe ich mir den Film auch angeschaut. Zweimal. 
Beim ersten Mal alleine, dann mit einer Freundin.
Alleine, weil ich "vorgucken" wollte: Ich war mir ehrlicherweise nicht sicher, ob ich alles auf Anhieb verstehe. Die Sprache meine ich. Weil es doch auf englisch ist. War aber kein Problem. Der Film ist - ebenso wie die Bücher - sprachlich ja eher recht einfach gehalten ("I dont make love. I f... Hard." Alles klar, keine Sprachbarriere. Ich wollte erst schreiben "...damit    komme ich zurecht", aber in diesem speziellen Fall hätte die ungewollte Doppeldeutigkeit meiner Wortwahl zu Missverständnissen führen können). 
Und ehrlicherweise war ich auch ziemlich neugierig, wie die Bücher auf der großen Leinwand funktionieren. Obwohl mir die Besetzung des Christian Grey von Anfang an überhaupt nicht gefallen hat. Und jetzt sogar noch weniger. Aber dazu später mehr.

Bei meinem ersten Mal hatte ich noch Panik, ob ich überhaupt einen guten Platz im Kino bekomme. Ich hatte mit einem gewaltigen Ansturm gerechnet und hier in meinem Kino gilt das Motto: First come, first serve (die Karte hatte ich online gekauft, Sitzplatzreservierungen gibt es aber nicht). Ich bin sogar extra früh los gefahren, weil ich kurz vorher auf Facebook gelesen hatte, das einige Frauen irgendwo in Amerika schon seit Stunden in der Schlange vorm Kino stehen. Ahhhh! ICH MUSS LOS. 

Tja, den Stress hätte ich mir sparen können: Weit und breit niemand zu sehen vor dem Kino. Ich stand da ganz alleine. Definitiv keine Schlange hier bei mir in Katy. Oder war ich doch zu spät? In einer Stunde startet der Film ja schon. Sitzen bestimmt schon alle drin und feiern eine große Party.

Also hab ich aufgeregt an der Kinokasse gefragt, ob denn noch ein paar gute Plätze frei seien. Oh man. Der Mann in dem Häuschen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während er vermeintlich beflissen auf seinen Bildschirm starrte und so etwas murmelte wie: "Der erste Ansturm ist gerade vorbei, aber vielleicht hast Du ja Glück und musst nicht in der ersten Reihe sitzen." Ich hab es einfach nicht gerafft. 


Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sein Lachen war, dass ich noch im Kinosaal hören konnte. Die Antwort, warum ich ihn so dermaßen zum Lachen gebracht hatte, zeigte sich mir dann auch sogleich. Oder eben auch nicht: In diesem beeindruckenden Saal mit 500 Plätzen saßen gerade mal 50 Frauen und eine Handvoll (bemitleidenswerter) Männer. Von wegen Ansturm. HaHa.
Ein bisschen voller wurde es in der nächsten Stunde zwar noch, aber es blieb mit rund 100 Frauen und den paar Männern sehr übersichtlich. Und das in der 8-Uhr-Vorstellung. Zum weltweiten Start des Films. Am allerersten Tag. Sehr irritierend. Haben die Frauen in Katy keine Lust auf den Film? Vielleicht war dieser Abend aber auch nur eine Ausnahme. 


Oder auch nicht: Als ich gestern mit meiner Freundin wieder im Kino war, kamen wir in einen komplett leeren Kinosaal. Kein Witz. Nur wir Zwei. Ansonsten: Gähnende Leere. Und wir waren diesmal nicht Stunden vor Vorstellungsbeginn da. Nein, nur 20 Minuten. Das war dermaßen irritierend, dass wir extra noch einmal raus sind um nachzufragen, ob es denn auch der richtige Saal sei.
Ja, auch diesmal habe ich die Mitarbeiter wieder zum Lachen gebracht.
Allein geblieben sind wir zwar nicht, aber auch mit rund 20 Frauen war es noch recht intim. Wow, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. 


Ich habe übrigens gelesen, das "Fifty Shades of Grey" am Startwochenende 81,7 Millionen Dollar eingespielt haben soll und damit einige Rekorde gebrochen hat. Unser Kino in Katy hat dazu wohl nicht allzu viel beigetragen (zumindest soweit ich das durch meine Stichproben beurteilen kann).

Hier herrschte eher Fifty Shades of gähnende Leere. 


Noch ein paar Worte zum Film und zum Cast: Jamie Dornan als Christian Grey geht gar nicht. Es ist klar, dass jede Frau ihre ganz eigene Vorstellung von diesem sehr speziellen Mann hat. Und das macht es ungleich schwerer die perfekte Besetzung zu finden. Aber Jamie Dornan ist für mich ein ganz schlechter Kompromiss. Ich nehme ihm die Rolle des einschüchternden, mächtigen, dominanten, Helikopter fliegenden, Klavier spielenden Geschäftsmann und Super-Liebhaber einfach nicht ab. Er ist auch kein Typ, den man selbstvergessen anschmachten kann. In manchen Szenen hat seine ganze Attitüde für mich sogar Fremdschäm-Potenzial. Echt schade.
Dakota Johnson hingegen finde ich überraschend gut.
Ansonsten ist der Film weder besonders gut noch besonders schlecht. Einfach nur mittelmäßig, würd ich sagen.
Es ist ja ohnehin immer so eine Sache mit Buchverfilmungen: Jeder Leser kreiert seine eigene Welt, in der das Gelesene verortet wird. Die Vorstellungen der Leser gehen meist weit auseinander. Bei Fifty Shades of Grey umso mehr, da der Stoff ja in erster Linie mit der Phantasie seiner Leser spielt. Wahrscheinlich kann man nur enttäuscht werden. 
Und die endlosen Sex-Szenen aus den Büchern? Nur soviel: 

Im Playroom herrscht die meiste Zeit auch Fifty Shades of gähnende Leere. 

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