Plastik-Handtaschen und weiße Schlüpfer

Wie ich ja bereits erwähnt hatte, habe ich es mit meiner Jagd nach dem Super-Schnäppchen wohl etwas übertrieben (siehe: "Im Shopping-Himmel Oder ist es doch die Hölle?"): Vor einiger Zeit hatte ich mir online eine Designer-Handtasche plus Portemonnaie zu einem vermeintlich sensationell günstigen Preis bestellt - im guten Glauben, dass es sich natürlich um das Original handelt. Als ich dann gemerkt hatte, dass ich meine Traum-Tasche ausgerechnet in China bestellt habe, war der Traum vom Original schnell geplatzt. Von wegen Super-Schnäppchen. 


Jetzt ist meine Bestellung geliefert worden und schon beim Aufreißen der Verpackung schlug mir ein ganz, ganz fieser Plastik-Geruch entgegen. Wirklich schlimm. 

Natürlich: Ein Fake. Und ein ganz, ganz Schlechter noch dazu. 

In Amerika bin ich doch schon im Shopping-Paradies, und ich muss ausgerechnet in China bestellen, weil ich den Hals nicht voll bekomme. Zu blöd.


Trotzdem habe ich die Nase noch ein paarmal fest (und sehr verzweifelt) gegen die Tasche gepresst, ob ich nicht doch noch irgendwo wenigstens ein bisschen Leder rieche. 

Diese Situation, wie ich meine Nase so in der Plastiktasche vergrabe, weil ich das Unvermeidliche nicht wahr haben will, hat mich an die Säuglingszeit meines Sohnes erinnert: Überall stinkts, aber man riecht trotzdem noch mal am Po des Babys - nur um ganz sicher zu gehen. Aber natürlich ist die Windel voll.

Bei meiner vermeintlichen Designer-Handtasche verhält es sich ähnlich: Natürlich ist es Plastik pur.

Trotz übelstem Plastik-Geruch, billiger Plastik-Optik und unangenehmer Plastik-Haptik prangt auf dem Etikett in großen Lettern: Echtes Leder.

Ja, wollen die mich verarschen?

Diese Tasche hat mit Leder und dem Designer so viel gemein, wie Jamie Dornan mit meiner Vorstellung von Christian Grey. 

Genau.


Diese äußerst ärgerliche Episode hat mich an ein anderes Online-Shopping-Desaster erinnert, das ich vor einiger Zeit erlebt habe (ich sollte wirklich dringend Schluss machen mit dem ganzen Online-Shopping):

Der weiße Schlüpfer.

Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte. Das Corpus Delicti sozusagen. 


Ich war damals in der Küche beschäftig. Kochen und so. Mein Mann war gerade erst nach Hause gekommen, hatte kurz "Hallo" gesagt und ist dann hoch zu unserem Sohn. Er war den ganzen Tag allein unterwegs. Sport und Sauna, ein bisschen Entspannung.

Ich stehe also in der Küche, als mir plötzlich etwas Weißes auffällt, das auf unseren grauen Fliesen direkt vor dem Herd liegt. Erst konnte ich es nicht glauben, aber tatsächlich: Da vor mir auf dem Boden liegt ein weißer Schlüpfer. 

Und definitiv nicht mein weißer Schlüpfer. Ohne jeden Zweifel.


Oh. Mein. Gott.


Wo zur Hölle kommt dieses Ding her? Und wem zur Hölle gehört es?

Bin ich hier im falschen Film, oder was?


Woran ich zuerst denken musste, ist wohl klar.


Mein Kopfkino wollte schon diesen sehr schlechten Film abspulen, aber zum Glück habe ich ganz schnell die Stop-Taste gedrückt. 

Also tief Luft holen und der Reihe nach: Mein Mann hat nur ganz kurz in die Küche geschaut und ist dann gleich nach oben gegangen. Und seine Sporttasche steht immer noch unausgepackt im Flur. Schlussfolgerung: Er kann den Schlüpfer nicht angeschleppt haben.

Oder doch? 

Trotzdem: Ich werde nicht zur Furie, sondern spieße das Corpus Delicti mit einem Bleistift auf und gehe damit ganz ruhig zu meinem Mann:

"Sag mal Schatz, kannst Du mir sagen, woher dieses gute Stück kommt?"

Während ich noch mit dem Schlüpfer vor seinem Gesicht herumwedel, weicht ihm alle Farbe aus ebendiesem. Er ist so weiß wie der Schlüpfer. Völlig verwirrt schaut er mich an und sagt dann ungefähr folgendes: "Egal was ich jetzt sage, ich kann nur verlieren. Eine Unterhose, die nicht Dir gehört, in unserem Haus... Da hab ich wohl keine Chance. Trotzdem: Ich hab mit dem Ding nichts zu tun.

Wo lag der Schlüpfer überhaupt?"


Ich: In der Küche, vor dem Herd.

Er: Aber da war ich doch gar nicht. Bin doch nur kurz zur Tür rein und dann gleich wieder raus. 

Ich: Stimmt. Er ist gar nicht ganz in die Küche gekommen (und er wird wohl auch nicht in einem unbeobachteten Moment das Ding in die Küche geworfen haben). 


Und da fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Ich habe, kurz bevor ich diesen unsäglichen weißen Schlüpfer entdeckt hatte, vor dem Herd ein Online-Shopping-Paket ausgepackt. Mit einer Jeans drin. Und die habe ich zwischendurch schnell anprobiert. Und danach lag dieses Ding da auf dem Boden.


Igitt.


Die Unterhose muss also irgendwie in dieser Jeans gesteckt haben (mich schüttelt es immer noch) und ist dann beim Anprobieren rausgefallen. Vermutlich wurde diese Hose schon einmal vor mir von jemand anderem bestellt, anprobiert und wieder zurück geschickt und ist dann schließlich samt vergessener Unterhose bei mir gelandet. 


Igitt. Igitt. Igitt.


Aber wenigstens hatten wir die Erklärung für den weißen Schlüpfer. Ohne jeden Zweifel.


Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn ich die Hose nicht in der Küche, sondern im Schlafzimmer anprobiert hätte.

Und dann dort den weißen Schlüpfer gefunden hätte. Vielleicht erst Tage später. 

Mir wären alle Sicherungen durchgebrannt. Definitiv. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Yvonne (Montag, 16 Februar 2015 23:55)

    Du hast einfach toll reagiert gut gemacht ist aber trozdem eine sauerei. Von der firma

  • #2

    Eva-Maria (Dienstag, 17 Februar 2015 16:44)

    Liebe Yvonne,
    Danke dafür!
    Ich habe zum Glück meine Sinne zusammen gehalten und erst nachgedacht. Das war in diesem Fall mal ganz gut.

    Der Firma habe ich eine gepfefferte Mail geschrieben und sie hat sich sehr kulant gezeigt: Die Hose musste ich nicht bezahlen, außerdem hä ich einen 100-Euro-Gutschein bekommen.

  • #3

    Steffi (Mittwoch, 18 Februar 2015 17:49)

    Hahahahhaha!!!! Die Schlüpper Geschichte, ich erinnere mich...... das war der Knaller!!!!
    LG

  • #4

    Eva-Maria (Mittwoch, 18 Februar 2015 18:03)

    Liebe Steffi,
    wenn ich es nicht selbst erlebt hätte - ich würde es nicht glauben. Wirklich unfassbar.
    Aber auch herrlich.
    Aber was wäre gewesen, wenn ich den Schlüpfer im Schlafzimmer gefunden hätte? Erst Tage, nachdem ich dort die Hose anprobiert habe.
    Oh, oh, oh... Nicht gut. Definitiv nicht gut.