Im Shopping-Himmel Oder ist es doch die Hölle?

Gestern war ich wieder in der Mall. Jenem faszinierenden, verführerischen, magischen Ort des grenzenlosen Shoppingvergnügens. Ein Ort, der täglich mit neuen Verlockungen aufwartet und seine Opfer - also mich - mit roten Sale-Schildern und immer niedrigeren Discount-Preisen in seinen trügerischen Bann zu ziehen vermag. Einkaufen wird hier zum betörenden Erlebnis und Frau kann ihre Leidenschaft exzessiv zelebrieren.

 

Ein furchtbarer Ort.


Denn ich bekenne: Ich bin Schnäppchen-Jägerin und Shopping-verrückt. Und hier bin ich im Siebten Himmel. Im Shopping-Paradies sozusagen.

Ganz schlimm ist das. Schnappatmung und Schwindelanfälle inklusive.

Amerika als das Konsumland Nummer Eins ist für mich definitiv Fluch und Segen zugleich (ein Fluch wohl besonders für meinen Mann). 


Hatte ich erwähnt, dass besagte Mall - also mein Jagdrevier - zahllose Outlet-Stores der ganzen großen Marken - meiner Lieblingsmarken -  beherbergt?

Die Sachen sind also noch günstiger. Und dabei sind meine Lieblingsmarken hier auch ohne Outlet-Preise schon deutlich günstiger als in Deutschland. 

Da spare ich sozusagen doppelt. 

Oh. Mein. Gott. 

Mein Verhängnis.


Auf meiner Jagd konzentriere ich mich besonders auf Kleidung und Schuhe. Und wenn ich damit fertig bin auf  Sonnenbrillen, Taschen, Schmuck, und was die Mall sonst noch an Verlockungen bietet (und das ist wirklich eine ganze Menge).

Neuerdings jage ich auch diesem ganzen Deko-Kram hinterher (in ein großes Haus passen viele Vasen, Schalen, Bilder, Kerzen und Blumen - wiederum sehr zum Leidwesen meines Mannes). Ich habe vor ein paar Tagen sogar ein Plastikblumenbouquet für die Gästetoilette gekauft. Plastikblumen! Für die Toilette! Genau. Aber immerhin 50 Prozent reduziert. So!


Ich kaufe also im Prinzip nichts mehr, was nicht reduziert ist. Ist auch nicht nötig. Hier gibt es eigentlich immer irgendwelche Preisnachlässe. Irgendwo ist immer Sale - irgendein x-beliebiger Anlass ist schnell gefunden, nehmen wir zum Beispiel den kommenden Valentinstag: Der passende Sale dazu heißt dann "Sweetheart-Sale". Nun ja...


Der mit Abstand wichtigste Konsumfeiertag für alle Schnäppchenjäger ist hier aber der "Black Friday", der Tag nach Thanksgiving. Dann steht die Shoppingwelt angesichts der unfassbaren Preisschlacht Kopf. Billiger geht es kaum noch. Von gemütlichem Einkaufsbummel kann an diesem Tag aber bestimmt nicht die Rede sein. Das ist Stress pur. 

Ich kenne es bisher aber nur vom Hörensagen. Der letzte Black Friday fiel unglücklicherweise mit unserem Ankunftstag hier in Houston zusammen. Unser erster Tag in Amerika also. Nach elf Stunden Flug ohne auch nur eine Minute Schlaf. Mit einem gleichzeitig völlig überdrehten und völlig übermüdeten Kind.

Ehrlicherweise habe ich trotzdem kurz darüber nachgedacht, ob ich nicht direkt vom Flughafen ins nächste Outlet-Center fahren sollte. Aber irgendwie hatte mein Mann was dagegen. Und Linus hatte auch nicht so richtig viel Lust.

Ok. Dann. Eben. Nicht.


Die Jagd nach Schnäppchen ist sozusagen mein Hobby. Und manchmal mache ich auch ein Spiel draus, immer weiter nach dem (vermeintlich) besten Preis für ein bestimmtes Produkt zu suchen. 

Es fällt mir schwer es zuzugeben, aber bei diesem Spiel habe ich mir jetzt selbst ein Bein gestellt. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Es gibt da eine Tasche eines bestimmtes Labels, die ich schon ziemlich lange ziemlich gut finde. Aber auch reduziert ist sie mir noch zu teuer.

Vor ein paar Tagen bin ich im Internet auf Umwegen irgendwie auf eine Seite gestoßen, die genau dieses Label zu unglaublich guten Preisen anbietet. Die Betonung liegt auf "unglaublich". Ich hätte wohl misstrauisch werden sollen.

Hätte.

Genau.

Ich habe also DIE Tasche gefunden - 80 Prozent günstiger als im Handel. DAS Superschnäppchen! Gewonnen! Ich konnte einfach nicht anders. Ich musste zuschlagen. Ohne nachzudenken. 

Na ja, in der Bestätigungsmail hab ich dann gesehen, dass ich die Tasche in China bestellt habe. Da hab ich dann doch eins und eins zusammen gezählt.

Das. Darf. Doch. Nicht. War. Sein.

Um der traurigen Wahrheit ins Auge zu blicken: Ich habe mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fake, eine billige Nachbildung bestellt (und dafür dann letztendlich viel zu viel Geld bezahlt). Weil ich den Hals nicht voll bekommen konnte. Weil ich übermütig geworden bin. Now we have the salad.

Noch ist das Paket zwar nicht angekommen. Aber ich gehe ganz fest davon aus, dass es nicht DIE echte Tasche sein kann.

Welch ein super Schnäppchen. 


Ich jage jetzt übrigens nicht mehr. Das ist mir vergangen. Ich gehe jetzt einfach mit fest zusammen gekniffenen Augen an den zahllosen Sale- und Rabatt-Schildern vorbei. 

Fürs erste zumindest. 

Für ein paar Monate vielleicht. Oder Wochen. Also, mindestens!

Ich hab es mir ganz fest vorgenommen. 

Die Schnäppchen laufen ja nicht weg und der nächste "Jetzt-erst-recht-so-billig-wird-es-bestimmt-nie-wieder-das-dürft-ihr-nicht-verpassen-Sale" kommt ganz bestimmt. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Luis Matthes (Donnerstag, 02 Februar 2017 23:34)


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