Playdates: Der ganz normale Wahnsinn 

 Playdates sind ja immer so eine Sache, finde ich. Auf jeden Fall keine leichte. 


Weil wir hier in unserer neuen Heimat auch in Sachen "Playdate" wieder bei Null starten, habe ich mir in den letzten Tagen viele Gedanken über Spielverabredungen im Allgemeinen gemacht.


Als Mutter stelle ich mir das ideale Playdate so vor: Ich sitze mit der anderen Mutter gemütlich und völlig entspannt bei Kaffe, Cola und Gebäck im Wohnzimmer, und wir unterhalten uns stundenlang und ohne größere Unterbrechungen über alles Wichtige und Unwichtige dieser Welt.  

Die Kinder spielen selbstverständlich brav und ohne zwischendurch unnötig zu stören im Spielzimmer, streiten selbstverständlich nicht und fügen sich auch keine größeren Verletzungen zu. 


Schön wärs! Die Realität sieht manchmal ja wohl (zugespitzt) eher so aus: Die Kinder streiten, kratzen, beißen und dreschen aufeinander ein, weil sie wahlweise ihr Spielzeug nicht teilen wollen oder sich nicht auf ein Spiel einigen können, oder weil sie einfach Spaß daran haben. Am Ende des Tages ist das Spielzimmer ein einziges Trümmerfeld, Kind 1 hat eine Bisswunde an der Hand und Kind 2 eine dicke Beule auf der Stirn.

Die Mütter sind schwer genervt, weil sie eben nicht gemütlich und ungestört plaudern konnten, sondern einfach nur erschöpft und gestresst sind. Es wäre vermutlich wesentlich entspannter gewesen, wenn man einfach zu Hause geblieben wäre.  


Damit ein Spielnachmittag so richtig gut funktioniert, sollten alle Beteiligten (idealerweise) ein eingespieltes Team sein, so meine Erfahrung. Stimmen die Konstellationen nicht, wird es schwierig bis nervig bis unerträglich.

Sind die Mütter befreundet, die Kinder aber nicht, kann es unter Umständen im beschriebenen Chaos enden. Verhält es sich umgekehrt, sind also die Kinder befreundet, die Mütter aber nicht, haben wenigstens die Kinder Spaß. Diese Konstellation birgt weitaus weniger Konfliktpotenzial als Erstere.  

Im Siebten-Playdate-Himmel angekommen ist man aber erst, wenn sich sowohl die Mütter als auch die Kinder gut verstehen. Und genau solche Playdates hatte ich in Deutschland zum Glück sehr, sehr viele, und diese Nachmittage und diese Mütter und diese Kinder vermisse ich sehr. 


Bis dahin war es natürlich ein weiter Weg, das geht nicht von heute auf morgen. Aber in Deutschland hatte ich die Trümmerfelder, die Verletzungen und andere Katastrophen im Spielzimmer weitestgehend hinter mir gelassen. 


Hier müssen Linus und ich uns wohl erst wieder durch so manch vermurkstes Playdate kämpfen, um irgendwann wieder so richtig, richtig entspannte Nachmittage verbringen zu können. Da kann auch niemand was dafür, ich glaube das liegt einfach in der Natur der Sache. Erschwerend hinzu kommt hier die Sprachbarriere - die Kinder können sich ja im Prinzip nur mit Händen und Füßen verständigen. Und das kann zu manchen Missverständnissen führen. Und zu Streit. Und zu Geschrei. Und zu Handgreiflichkeiten. Und zu Trümmerfeldern. Der ganz normale Wahnsinn also. Schon wieder. 


Letztens hatten wir einen neuen Kindergartenfreund zu Besuch - ein wunderbarer Junge mit seiner sehr, sehr netten Mama. Linus mag den Jungen, ich mag die Mutter. Perfekt. Dennoch: Die beiden Jungs müssen sich erst auf einander einstellen und ihre Vorlieben und Spielgewohnheiten abgleichen. Und auch wir Mütter müssen uns ja erst noch richtig kennen lernen. 

So richtig entspannt war ich also nicht. Und dabei wollte ich doch genau das sein: Entspannt, locker, eine gute Gastgeberin, alle sollten sich wohlfühlen und Spaß haben und gerne wieder kommen wollen.

Statt dessen war ich total verkrampft. Weil Linus und der Junge eben nicht auf Anhieb perfekt harmoniert haben. Weil sie sich eben nicht richtig verständigen können. Die meiste Zeit habe ich aus dem Spielzimmer entweder ein aufgebrachtes "no" oder ein aufgeregtes "look, look, look" von meinem Jungen gehört. 

Ich war also verkrampft. Und habe immer gehofft, dass die andere Mutter es nicht merkt. Denn sie soll ja nicht denken, ich sei verkrampft. Es soll ja funktionieren. Weil Linus und ich hier Freunde brauchen. Weil ich jemanden zum Plaudern brauche, und Linus jemanden zum Spielen. So siehts aus. 


Die beiden Jungs haben sich am Ende des Tages aber trotz aller Hürden noch toll zusammen gerauft. Und verletzt wurde auch niemand. Beim nächsten Playdate bin ich bestimmt entspannter. Ein bisschen zumindest. 


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