"Mama, look, look. LOOK!" Mein Junge lernt Englisch. 

Das kenne ich ja schon: "Mama, guck mal. Los! Guck doch mal! Mama, guck, guck, guck." In Dauerschleife, als hätte die Platte einen Sprung. 

JETZT und SOFORT muss ich mir wahlweise ein waghalsiges Kunststück auf der Rutsche, ein ekeliges Krabbeltier oder einen gemalten Dinosaurier-Tiger-Hund anschauen. Gefühlte einhundert Mal am Tag. 

Neuerdings bekomme ich den Aufmerksamkeits-Befehl zweisprachig um die Ohren gehauen: "Mama, look! Look. Look. LOOK!" Ja, doch. Gleich. Und wehe ich looke nicht sofort. Dann gehts erst richtig los: 

Looklooklooklooklooklooklooklook!

In diesem speziellen Fall weiß ich wirklich nicht, ob ich seine neu entdeckte Zweisprachigkeit abfeiern oder verfluchen soll...


Mein Junge wächst jetzt ja bilingual auf. Zuhause sprechen wir ausschließlich deutsch mit ihm. Englisch lernt er im Kindergarten und auf dem Spielplatz. Ihm bleibt ja nichts anderes übrig. 

Und "look" war neben "no" das erste Wort, das er in seinen aktiven Wortschatz übernommen hat. 

Jetzt hat er schon ganze Sätze im Repertoire: "Hello, my name is Linus." "I am four years old." "See you tomorrow." "Bye, bye". Für einen kurzen Small-Talk reicht das allemal. 


Vorhin bei der allmorgendlichen Kindergarten-Routine begrüßte uns ein neuer Mitarbeiter. Und was macht mein kleiner Junge? (ich habe ihn ganz ehrlich nicht gezwungen oder ihn bestochen) 

Er baut sich vor dem Mann auf, lächelt und sagt mit fester Stimme: "Hello. My name is Linus." Und dann beim Weitergehen: "See you tomorrow." 

Und dann zu mir: "Mama, ich kann ja jetzt Englisch." Hach...


Ja, ein Anfang ist definitiv gemacht. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass er mittlerweile schon sehr viel versteht. Und so werden mit der Zeit immer mehr Wörter und Sätze aus ihm heraussprudeln. Einfach so. Ich finde das ganz erstaunlich. Aber so wird es passieren. Sagen zumindest alle. 


Bis es soweit ist, hat Linus Wege gefunden, um sich trotzdem zu verständigen, wenn ihm mal die Worte fehlen: Mit einem ausgeklügelten System der Zeichensprache. Zum Beispiel beim Schwimmunterricht. Er hatte sich anfangs nicht getraut seinen Kopf unter Wasser zu tauchen. Obwohl er sich nicht überwinden konnte, wollte er es aber trotzdem schaffen. Deshalb hatte er sich überlegt, dass sein Schwimmlehrer einfach seinen Kopf unter Wasser drücken solle. Als Starthilfe sozusagen. 

Linus also zum Schwimmlehrer: "Look, look." Dann hat er auf seinen eigenen Kopf gezeigt, dann auf die Hand des Schwimmlehrers und dann wieder auf seinen Kopf. Es hat funktioniert. 

Und das Wichtigste: Er fühlt sich verstanden. In einer ihm immer noch recht fremden Umgebung. Mit vielen fremden Menschen, die eine (noch weitestgehend) fremde Sprache sprechen.


Neulich abends beim ins Bett bringen, nahm Linus mich ganz fest in den Arm und flüsterte mir ins Ohr: "I love you, Mama".

Ja, mein Junge spricht jetzt Englisch!

(Und in diesem speziellen Fall rührt mich seine neu entdeckte Zweisprachigkeit zu Tränen.)


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Kommentare: 1
  • #1

    Christina (Dienstag, 03 Februar 2015 19:10)

    Oh, da krieg ich feuchte Augen! Bin sooo stolz auf Linus UND Dich. ❤️