Die Sport-Mütter, Zweiter Teil

Sie sind überall: Die Sport-Mütter. Im Kindergarten, im Supermarkt, in der Mall, auf dem Spielplatz und manchmal auch im Fitnessstudio. Ihr Erkennungszeichen: Cappy, Sonnenbrille, Turnschuhe, bequeme Kleidung, weiße I-Pod, I-Pad oder I-Phone- Kopfhörer im Ohr.


In Deutschland habe ich außerhalb von Sportplätzen und Fitnessstudios nie so viele Frauen in Sportklamotten gesehen. Vielleicht ist das ja ein bisschen "typisch amerikanisch". Also hab ich mir das mal näher angeschaut und mir meine eigenen, ganz speziellen Gedanken dazu gemacht. 


Diese Frauen scheinen allzeit bereit für ein schnelles Workout zu sein. Immer auf dem Sprung ins nächste Fitnessstudio. Ich sehe Mütter mit ihren wendigen Kinderwägen durch die Nachbarschaft rennen und solche die einen Kinderanhänger an ihr City-Bike geklemmt haben und an mir vorbei strampeln.

Dieser Typ Frau schreit ihrer Umgebung förmlich entgegen: Seht mich an! Ich bin sportlich! Ich bin fit! Ich tue was für mich!


Ja, doch. Ich habs verstanden. Und ich nicht.


Als ich noch stundenlang in meiner Beobachtungsecke im Kindergarten meines Sohnes sitzen musste, habe ich mich angesichts dieser scheinbar überaus sportlichen Frauen überaus unsportlich gefühlt und damals einen Entschluss gefasst: Ich werde auch eine Sport-Mutter.

Ich habe mir also ein schickes Sportoutfit gekauft und bin damit morgens auch sehr sportlich in den Kindergarten gerauscht. 

Der erste Schritt war getan.


Sport habe ich deswegen aber noch lange nicht gemacht. Wie übrigens viele dieser Sport-Mütter auch nicht (wie sie auf freundliche Nachfrage selbst zugegeben haben). Ich habe inzwischen gelernt, dass diese ganze äußere Sportlichkeit manchmal mehr ein modisches Accessoire, denn ein Ausdruck wahrer Sportlichkeit ist. Das trägt man halt so. Und ich muss gestehen: Sporthosen und Sportschuhe sind wirklich total bequem.


Auf der Suche nach der wahren Sportlichkeit (und weil es wirklich wieder dringend nötig ist) habe ich dann einen weiteren Entschluss gefasst: Ich führe all meine tollen, neuen Sportklamotten ihrer wahren Bestimmung zu - und gehe jetzt tatsächlich mehr oder weniger regelmäßig in das kleine Fitnessstudio in unserer Nachbarschaft. Und an manchen Tagen sehe ich dort sogar die ein oder andere Sport-Mutter aus dem Kindergarten.

Aber an manchen Tagen ist dieser Fitnessraum eher eine gemütliche Begegnungsstätte als ein Ort der körperlichen Ertüchtigung: In Zweier- oder Dreiergruppen stecken sie die Köpfe zusammen, während immerhin eine von ihnen auf dem Laufband steht. Und so geht man gemeinsam von Gerät zu Gerät und jede macht mal so ein bisschen die eine oder andere Übung. Am Ende des Parcours hat man immerhin den neusten Klatsch und Tratsch (oder wahlweise Kinderkrankheiten, Kochrezepte, Lieblingssendungen, Shoppingtipps usw.) ausgetauscht und zumindest einen leichten Schweißfilm auf der Haut. 


So habe ich gelernt, dass auch ein Besuch des Fitnessstudios nicht automatisch bedeuten muss, dass man tatsächlich Sport macht. 


Um bei der Wahrheit zu bleiben: So viel besser bin ich auch nicht. Ich renne auf dem Laufband wahrscheinlich auch nicht mehr. Ich hab nur niemanden zum Plaudern. Leider. Dafür sind meine Pausen zwischen den Übungseinheiten sehr lang - damit ich in Ruhe meine Frauenzeitschrift lesen kann. 


Heute habe ich aber wirklich wahre Sportlichkeit bewiesen: Ich habe meinem kleinen Jungen das Fahrradfahren beigebracht. Endlose Runden um den Block bin ich im Joggingtempo neben ihm her gerannt (und wenn ich "endlos" schreibe meine ich das auch - als es bei meinem Jungen "Klick" gemacht hatte, wollte er gar nicht mehr aufhören zu fahren). Dabei habe ich eine Sport-Mutter mit ihrem wendigen Kinderwagen zweimal überrundet. Hinterher war ich total erschöpft und völlig durchgeschwitzt. So sportlich habe ich mich lange nicht mehr gefühlt.

Und das übrigens ganz ohne Joggingschuhe oder Sportklamotten. 


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Kommentare: 2
  • #1

    Anika (Freitag, 30 Januar 2015 20:29)

    Sehr schön!!! Die Joggingstrecken beim Radfahren vom Kind kommen mir bekannt vor

  • #2

    Steffi (Samstag, 31 Januar 2015 18:55)

    Die fancy Sport-Mütter treff ich immer beim Einkaufen. Hab mich am Anfang immer gefragt, ob die wohl grad vom Sport kommen und ungeduscht einkaufen. Ich finde deinen Blog sehr toll und witzig. Wohne übrigens in South Carolina und musste über einige deiner Einträge schmunzeln. Freue mich mehr von deinen Erfahrungen zu lesen :)