Zwei Monate USA: Eine erste Zwischenbilanz

Vor ziemlich genau zwei Monaten haben wir Deutschland verlassen, um in Houston, Texas zu leben. Dieser Schritt hat uns definitiv in das bisher größte Abenteuer unseres Lebens geführt. 

Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, wie diese ersten Wochen waren, was sie mit uns gemacht haben und wie sich unser Leben bislang verändert hat. 


Wir haben unsere Familien und unsere Freunde zurück gelassen. Und das tut immer noch weh und geht einher mit manchen Ängsten und Sorgen. 

Familie bleibt Familie. Da umtreibt mich mehr die Sehnsucht nach den Lieben, denn echte Verlustängste. Bei den Freuden hingegen verhält es sich anders, und ich komme nicht umhin mich zu fragen: Welche Freundschaften überstehen diese große Distanz auf Dauer? Welche Freundschaften bleiben auf der Strecke? 

Mit oder ohne uns: Unsere Freunde und Bekannten in der "alten Heimat" führen ihr Leben weiter. Sie bauen Häuser, wechseln die Jobs, bekommen Kinder, feiern Geburtstage und Erfolge, beweinen Misserfolge und Rückschläge - sie leben ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen. Ohne uns. Wir sind bei den vielen großen und kleinen Ereignissen, die das Leben und das Miteinander ausmachen, nicht mehr dabei. Wir sind nicht mehr ein direkter Teil ihres Alltags. So verhält es sich natürlich in beide Richtungen gleichermaßen. Dies geschieht ganz automatisch, es ist keine bewusste Ausgrenzung, sondern vermutlich eine logische Konsequenz der Distanz. Eine Distanz, die mit der Zeit vielleicht auch zu einer emotionalen Distanz werden kann? Kann, nicht muss. Ich hoffe natürlich das Beste. Und ich gebe mein Bestes, um diese Distanz zu überbrücken.  

Ebenso wichtig wie Nähe nach Deutschland zu wahren, ist es für mich, hier neue, oder besser: weitere Freunde zu finden ("neue Freunde" klingt für mich immer so nach ersetzen der "alten" Freunde). Zu unserem großen Glück sind die Menschen hier, und speziell in unserer Nachbarschaft, sehr offen, freundlich und hilfsbereit. Wir hatten schon einige sehr nette Dinner-Verabredungen, Barbecues und Play-Dates. Es ist einfacher als erwartet nette Menschen zu treffen. 


Besonders schwierig für mich war es, meine Komfortzone in meiner alten Heimat aufzugeben und damit die mir heiligen Alltagsroutinen und vertrauten Strukturen - denn: Veränderungen mag ich nicht so. Eigentlich. Mittlerweile schon (und das hätte ich nie gedacht). Ich selbst habe mich in den vergangenen Wochen neu kennen gelernt, und auch wir als Familie haben noch einmal ganz anders zueinander gefunden. Ich sehe es jetzt so: Mit dem Schritt raus aus der Komfortzone und rein ins Unbekannte haben wir die Chance bekommen, unser Leben noch einmal neu aufzustellen. Ein neuer Alltag, andere Routinen und neu definierte Strukturen. Dabei geht es nicht um "besser" oder "schlechter" - es ist einfach anders.

Wir sind noch längst nicht soweit, dass ich behaupten könnte, unser Leben verlaufe nun wieder in völlig "geordneten Bahnen". Ich selbst bin noch weit davon entfernt "alles" im Griff zu haben. Und das ärgert mich an manchen Tagen - weil ich in vielen Dingen Perfektionistin bin. Und an anderen Tagen wiederum finde ich das toll - weil eben nicht alles perfekt sein muss. Welch ein Druck, der dann von mir abfällt. 

Und ich frage mich: Ist es nicht auch genau das, was das "Abenteuer Ausland" ausmacht? Den Dingen Zeit geben sich zu entwickeln? Alte Gewohnheiten abzulegen? Sich neu zu entdecken? Die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten? Vielleicht. 


Ich habe letztens mit einer sehr engen Freundin telefoniert, und sie fragte mich, was wir hier in Houston und umzu denn schon alles gesehen und unternommen haben. Meine Antwort war recht ernüchternd: Nicht viel. Wir waren im Childrens Museum, in Galveston am Golf von Mexico, häufig auf dem Spielplatz in unserer Nachbarschaft und in ganz vielen Möbelhäusern. Das hat mir zu denken gegeben, aber: Es ist eine Sache, fremde Länder auf Urlaubsreisen zu entdecken und in kürzester Zeit möglichst viel zu sehen und zu erleben. Es ist aber eine ganz andere Sache in einem fremden Land ein neues Leben zu beginnen. Wir hatten bisher schlicht andere Dinge zu erledigen. Und wir werden noch jede Menge Zeit haben Houston, Texas und die USA zu entdecken. 


In den letzten zwei Monaten ist so viel passiert, dass ich manchmal das Gefühl habe  nicht mehr hinter her zu kommen. Wir werden überrannt von neuen Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen. Jeder Tag stellt uns vor neue Herausforderungen. Aus diesen vielen kleinen Puzzleteilen erschaffen wir uns nach und nach ein neues Leben hier in Houston. Ich habe noch nichts bereut. Und ich freue mich sehr auf das, was noch kommen wird. Wir stehen ja erst am Anfang dieser Reise.

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Kommentare: 5
  • #1

    Claudia Jensen (Donnerstag, 29 Januar 2015 04:02)

    Super geschrieben.. aber wenn du etwas mehr Absaetze machen wuerdest waere es etwas uebersichtlicher online zu lesen..
    ich kann nur unterstreichen.. als Toruist hab ich auch viel mehr gesehen als nun da ich hier wohne.. eben Alltag :-)

  • #2

    Jens Kortmann (Donnerstag, 29 Januar 2015 07:35)

    Eva, ich finde es einfach toll, dass Du uns hier virtuell an Eurem "Abenteuer" teilhaben lässt. So sind wir gar nicht so weit weg, wie Du denkst.

  • #3

    Britta (Donnerstag, 29 Januar 2015 10:01)

    Ach, Du bist so herzerfrischend süß, liebste Eva!!! Freue mich für dich, wenn Du neue Freunde findest. Wenn Du mich aber ersetzt, werde ich böse ;)

  • #4

    Rieke (Donnerstag, 29 Januar 2015 14:17)

    Bei "richtigen" Freundschaften ist es egal wie weit man von einander weg wohnt oder das man nur einmal im Jahr telefoniert, sobald man sich wieder sieht ist es als wäre man nie weg gewesen!! Dank der heutigen virtuellen Welt hat man dann auch immer einen kleinen Einblick ins tägliche Leben der "hinterbliebenen" Freunde und das macht es nochmal um einiges einfacher :)

  • #5

    Eva-Maria (Freitag, 30 Januar 2015 21:09)

    Britta, keine Sorge!!!