Hilfe, meine Nerven: Auto fahren in Houston

Auto fahren in Houston und umzu ist so eine Sache. In vielerlei Hinsicht. Eigentlich bin ich eine recht ordentliche Fahrerin: Sicher, umsichtig, rücksichtsvoll und ich kenne die meisten Regeln. ABER: Ich bin völlig orientierungslos. War ich schon immer und hier ist es noch schlimmer. Ich weiß selten genau wo ich bin, geschweige denn wie ich mein Ziel erreiche. Und Orientierung ist in Houston und umzu auch so eine Sache, nämlich eine Wichtige: Die Straßennetze sind ein bisschen größer, verzweigter und unübersichtlicher als ich es aus Hannover gewohnt bin. (Welch ein Vergleich! Houston ist schließlich die viertgrößte Stadt Amerikas. Und Hannover? Genau.) 

Die Interstate 10 zum Beispiel hat bis zu 26 Spuren (damit gehört dieser Abschnitt zu den breitesten Autobahnen der Welt) - da kann man auch als versierter Autofahrer schon mal ins Schwitzen kommen, finde ich. Während ich also darüber nachdenke welche Ausfahrt ich nehmen muss und wie es dann weiter geht, muss ich gleichzeitig auch noch alle Autos um mich herum ganz genau im Auge behalten. Es darf nämlich von allen Seiten überholt werden. Und bei so vielen Spuren und so vielen Autos ist das manchmal ein ganz schönes Gewusel. Anfänglich sehr verwirrend.


Nun könnte man ja meinen, dass bei 26 Spuren der Verkehr so richtig schön fließen müsste. Leider nicht. Zumindest zur Rush Hour fließt hier gar nichts mehr. Höchstens mein Angstschweiß - weil der kleine Junge im dicksten Stau wahlweise jetzt sofort ganz dringend Pipi muss, im Minutentakt verkündet, dass er AUF DER STELLE zu Hause sein will oder nach Essen, Trinken, Spielsachen, Büchern und anderen nicht zu beschaffenden Dingen verlangt. Das macht mich fertig. Echt.

 

Wenn aber mal kein Stau ist, ich nicht völlig verzweifelt bin, alle Überholmanöver unter Kontrolle habe und alleine im Auto unterwegs bin, ist es eigentlich ein recht angenehmes Fahren. Und das liegt für mich tatsächlich an der Geschwindigkeitsbegrenzung: Auf den "Autobahnen" sind hier 60 bis 65 Meilen pro Stunde erlaubt. Schnell ist anders. Freud und Leid liegen eben häufig dicht beieinander. Und so verhält es sich auch mit dem hiesigen Tempolimit. Mein schnelles Auto werde ich wohl leider nie schnell fahren können. Auf der anderen Seite erlaubt die Geschwindigkeitsbegrenzung (unter weiter oben genannten Vorraussetzungen) einen unaufgeregten Verkehrsfluss. Zumindest habe ich bisher noch keine Drängler, Lichthuper, Blinker-links-Vertreiber und blindwütige Raser erlebt. Auch schön.

 

Eine andere Sache ist mir auf den Straßen in Houston und umzu direkt auf der ersten Fahrt vom Flughafen aufgefallen: Überall an der Seite liegen zerfetzte Reifenteile herum. Schuld ist wohl die Straßenbeschaffenheit: Alles andere als reifenfreundlich. Letztens ist direkt vor uns einem Truck der Reifen während der Fahrt geplatzt. Mit gewaltiger Wucht flogen die Reifenteile quer über die Autobahn. Ich saß auf dem Beifahrersitz und habe mich instinktiv weggeduckt. Gut, hätte auch nichts genutzt. Zum Glück konnten wir ausweichen. Der Truckfahrer selbst hat es entweder nicht gemerkt oder es hat ihn schlicht nicht interessiert. Er ist einfach seelenruhig weiter gefahren. War wohl nicht das erste Mal. 


Noch einmal zurück zu meiner Orientierungslosigkeit: Mein Auto hat natürlich ein Navigationssystem. Ich verfahre mich trotzdem ständig. Blödes Navi. 


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Kommentare: 3
  • #1

    Gabriella (Samstag, 24 Januar 2015 18:56)

    na , fotografieren beim Fahren ?

  • #2

    Christina (Samstag, 24 Januar 2015 19:41)

    26???
    OMG!
    Und ich dachte, Berlin sei schlimm...

  • #3

    Thomas (Samstag, 24 Januar 2015 20:26)

    Das mit den zerfetzten Reifen liegt auch daran, dass es keinen TÜV gibt und die Autos und dementsprechend auch Reifen nicht regelmäßig kontrolliert werden. Da fährt halt der ein oder andere Redneck die Teile bis aufs Profil runter. Zudem dürfen Reifen uneingeschränkt geflickt werden (mit so Gummistopfen) und das hält eben nicht so gut, wie es sollte, ist aber bei den Geschwindigkeiten nicht so schlimm.