Frisör mit Extras

Da die Sache mit der Nagelschere ja nur - ich formuliere es mal positiv - suboptimal war, bin ich mit Linus jetzt endlich zum Frisör gegangen (siehe: "Das brummende Postamt und andere Alltags-Hürden"). Ein Frisör ausschließlich für Kinder. Den Tipp hatte ich von einer der Sport-Mütter aus dem Kindergarten bekommen. Ihr Sohn hat eine ganz anständige Frisur, also dachte ich ich: So schlimm kann es nicht werden. 

Dort angekommen war ich dann aber doch etwas verwirrt: Ist das wirklich ein Frisör oder etwa eine Spielhalle? Grell-bunt und laut. Direkt am Eingang steht eine große Vitrine mit allerlei Kinderfilmen und Videospielen. Statt der klassischen Frisör-Stühle gibt es Rennautos in denen man sitzen kann. Und an jedem Platz stehen Fernseher, DVD-Spieler und Spielekonsole. Wirklich verwirrend. Eine nette Mitarbeiterin fragte mich dann auch sogleich welchen Film Linus denn schauen möchte, oder ob er doch lieber ein Video-Spiel spielen möchte?

Wie? Film? Videospiel? Seine Haare sollen doch geschnitten werden! Ja, das habe sie verstanden. Trotzdem: Er könne sich einen Film aussuchen, den er beim Haareschneiden gucken kann. Das sei für sie entspannter und für das Kind und für die Eltern auch. Ach so. Während ich noch überlegte, ob das denn pädagogisch wertvoll und überhaupt nötig sei, hatte sich Linus schon längst einen Film ausgesucht. Okay. 

 

Wenn ich jetzt näher darüber nachdenke, ist ein Frisör mit Entertaining-Service gar nicht so abwegig - zumindest hier in Amerika. Der Fernseher läuft ohnehin immer und überall. Wie es scheint, gehen amerikanische Eltern weitaus lockerer mit der Fernseh-Sache um. Im Vergleich zu deutschen Eltern. (Zumindest ist das mein erster Eindruck - ich werde mich damit aber noch näher beschäftigen. Ein spannendes Thema, wie ich finde).

 

Linus hat sich also für "Cars" entschieden und ist im Paradies: Er darf einfach so, mitten am Tag einen Film schauen. Und ich kann mich voll und ganz darauf konzentrieren, der netten Friseurin zu erklären, was mit Linus Haaren passieren soll. Ohne nörgeln, drängeln oder quengeln. Toll! 

Während ich so etwas sage wie: "Bitte nicht zu kurz aber auch nicht zu lang, irgendwie cool soll es aussehen aber auch ordentlich...", zeigt sie auf ein paar verblichene Frisuren-Fotos, die an einem Schrank hängen und meint: "Das hier ist die most popular Frisur... So?" Gut, dann also der amerikanische Standart-Jungen-Haarschnitt: hinten kurz, Seiten kurz, oben etwas länger und mit Gel in Form gebracht. In Linus`Kindergartengruppe haben mindestens fünf Jungen die gleiche Frisur. Stört mich aber nicht, wir machen das so. 

Nach 20 für uns alle völlig entspannte Minuten ist der Zauber vorbei und Linus hat eine tolle neue Frisur. Wir kommen definitiv wieder. 

Jetzt muss ich nur noch einen Frisör für mich finden. Vielleicht gibt es ja auch für Erwachsene einen Salon mit Fernsehern und DVD-Rekordern. Zum "Desperate Housewives" gucken. 


 

 

 

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