Das brummende Postamt und andere Alltags- Hürden 

Heute war ich wieder bei der Post. Ich bin seit sechs Wochen fast jeden zweiten Tag bei der Post. 

Das Problem ist unser Briefkasten. Wir haben nämlich keinen Briefkasten am Haus. Nicht einmal einen kleinen Briefschlitz. Statt dessen gibt es irgendwo in der Nachbarschaft eine Art Post-Sammelstation mit Postfächern für jedes Haus (erst nach vielem Hin- und Her habe ich herausfinden können, wo unser Postfach ist). 

Das nächste Problem: Für das Postfach brauchen wir einen Schlüssel. Den haben wir aber nicht. Unsere Vermieterin auch nicht. Also mussten wir bei der Post einen neuen Schlüssel bestellen. Das war vor sechs Wochen. Wir warten immer noch auf den Schlüssel. Also fahre ich jeden zweiten Tag zur Post, reihe mich in die lange Warteschlange ein, hole die Post ab und frage freundlich nach dem Verbleib unseres Schlüssels. Das nervt. Vor allem weil es in diesem Postamt eine kaputte Neon-Röhre gibt, die ständig monoton brummt. Und brummt. Und brummt. Seit sechs Wochen.


Es sind tatsächlich viele Kleinigkeiten, die unseren Alltag hier manchmal etwas schwierig gestalten. Nichts Schlimmes, aber eben viele Dinge, die in Deutschland für uns selbstverständlich waren. Und die wir uns hier mal mehr, mal weniger mühsam erarbeiten müssen. 


Da ist zum Beispiel die Sache mit der Bank: Welch ein gewaltiger bürokratischer Akt! Wahnsinn. Besonders schwierig war es, als wir noch keine Social Security Number hatten (das ist hier ganz, ganz wichtig - ohne diese Nummer existieren wir eigentlich nicht). Jetzt sind die wichtigsten Fragen zwar geklärt, aber eine Bankkarte habe ich trotzdem noch nicht. Obwohl ich sie schon dreimal persönlich beantragt habe und sie angeblich auch schon dreimal verschickt wurde. Also werde ich wohl noch ein viertes Mal wegen der Karte zur Bank müssen. Wenigstens gibt es dort keine brummende Neon-Röhre. 


Oder die Sache mit dem Frisör: Ich muss ganz besonders dringend zum Frisör. Aber ich traue mich einfach nicht. Ich bin da wohl auch ein bisschen empfindlich. Und wenig experimentierfreudig. Mit Haare färben und so. Leider schreit mein ergrauter Ansatz mich geradezu an, endlich etwas zu unternehmen. Ich habe zwar schon ein paar Tipps bekommen, aber was, wenn mich der Frisör nicht richtig versteht? Stichwort: Sprachbarriere. Hilfe!

Und Linus braucht auch ganz dringend einen Haarschnitt. Aus lauter Verzweiflung, und weil der Pony schon so lang geworden war, das der arme Junge nicht mehr richtig gucken konnte, habe ich selbst zur Schere gegriffen. Wobei "Schere" etwas euphemistisch ist: Aus Ermangelung an professionellem Gerät, musste ich meine kleine Nagelschere nehmen. So richtig schlimm ist es zum Glück nicht geworden. 


Und dann ist da noch die Sache mit den Betten bzw. der Bettwäsche: Full, Twin, Queen, King und Cal-King. Das habe ich mittlerweile verstanden. Richtig kompliziert wird es erst mit der Bettwäsche. Ich habe die Wahl zwischen: comforter, blanket, quilt, flat sheet, fitted sheet, dusk ruffle, bed skirt... Bitte was?

Inzwischen haben wir ALLES. Weil ich es nicht besser wusste. Und dabei wollte ich doch nur einen Bezug für unsere Bettdecke, Kissenhüllen und ein Laken. 

Dafür erfüllt unser Bett jetzt jedes amerikanische Betten-Klischee: Aufwendig dekoriert mit zahlreichen Kissen, praktischen Laken und reich geschmückten Tagesdecken. Wenn es doch nur nicht so furchtbar lange dauern würde, das ganze Zeug morgens herzurichten und abends wieder beiseite zu räumen...


Es gibt noch zahlreiche weitere Dinge, die unseren Alltag hier manchmal etwas kompliziert machen:

Die Sache mit der Krankenversicherung und der Arztwahl (aber das ist ein großes Thema für sich), Lawn-Service, Pool-Service, Pest-Service & Co. (brauchen wir das wirklich alles - und wenn ja: Wer macht was zu welchem Preis?), die Texas Driver Licence (diesen bürokratischen Akt werden wir nächste Woche angehen) und so weiter.


Manchmal denke ich etwas wehmütig an unser gut organisiertes und in klaren Bahnen verlaufendes Leben in Deutschland zurück. Aber gleichzeitig sind es die brummenden Postämter, die unser Leben hier so spannend und aufregend machen. So intensiv habe ich das Leben schon lange nicht mehr gespürt. Wir als Familie wachsen an den kleinen und großen Herausforderungen, und ich weiß, dass wir alle Hürden gemeinsam nehmen können. Ein wunderbares Abenteuer. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Ralph in San Antonio (Samstag, 10 Januar 2015 01:16)

    Du schreibst klasse, weiter so. Ist ist halt eine ganz andere Arbeitseinstellung hier, was mann sich nicht alles bieten muss....da kann sich immer wieder den Kopf schuetteln...

  • #2

    Manuela (Samstag, 10 Januar 2015 02:44)

    Super geschrieben ..... Als wir rüber kamen haben wir auch einen Blog geschrien www. Browi. de . Vielleicht findest du noch was hilfreiches. Was den Frisör an geht , ich bin sehr zufrieden mit Sabines Haus , 12010 Jones rd , # 281 832 8536 . Sabine spricht deutsch und ist super nett . Willkommen in Houston

  • #3

    Atelier art of cut (ROSWITHA.) (Samstag, 10 Januar 2015 23:06)

    Du kannst gut schreiben .Ich habe die selben erfahrungen gedacht !
    Ich kommen aus Augsburg und habe einen Salon Ich kann Dir mit den Haaren helfen.
    Atelier art of cut Times Blvd Houston ,tx 77005

  • #4

    Steffi (Samstag, 31 Januar 2015 19:30)

    Es gibt in Houston auch Ikea. Vielleicht sogar auch einen Aldi?! Aber ja, ich find die Bettenausstattung die hier angeboten wird unpraktisch zum Waschen. Von den Kissenkollonien auf dem Bett will ich gar nicht erst anfangen. Aveda salons sind gut aber auch etwas teuerer.